OFFIZIELLE STELLUNGNAHME - ZUM VORFALL AUS DEM JAHRE 2016 [15.Mai'19]

Zu den zu bedauernden Vorfällen in der Flensburg Akademie und der Berichterstattung hierzu möchten wir Folgendes klarstellen:

 

Abgegrenzte Aufgabenbereiche

Die SG Flensburg-Handewitt Handball-Bundesliga GmbH & Co. KG, die gesellschaftsrechtlich mit der SG Flensburg-Handewitt verbunden ist, verantwortet ausschließlich den Profibereich der SG Flensburg-Handewitt. Sie agiert mit ihrem Geschäftsführer Dierk Schmäschke organisatorisch und wirtschaftlich losgelöst von der Flensburg Akademie GmbH – auch wenn durch den Bericht von Erik Eggers im Spiegel mit Abdruck eines Fotos der Bundesliga-Mannschaft und durch einen Einspieler mit Spielszenen der Profi-Mannschaft in einem Bericht des NDR ein anderer Eindruck entstehen könnte.

 

Gesellschaftsstruktur der Flensburg Akademie GmbH

An der Flensburg Akademie GmbH sind ausschließlich Privatpersonen beteiligt, welche – angespornt durch die Zugwirkung der 1. Bundesliga-Mannschaft – nachhaltig den Jugendhandball fördern wollen. 

Gegenstand der GmbH ist die Vermietung und Verpachtung von Immobilien sowie der Betrieb einer Ausbildungs- und Seminarstätte, die Durchführung von Seminar- und Fortbildungsveranstaltungen und Dienstleistungen für Sportvereine. Geschäftsführer ist Lewe T. Volquardsen.

 

Zeitpunkt der Veröffentlichung

Ohne die Vorfälle in der Flensburg Akademie relativieren zu wollen, irritiert der Zeitpunkt der Veröffentlichung zu den Vorfällen der Jahre 2016/2017 - kämpft doch die Bundesliga-Mannschaft in einem Kopf an Kopf-Rennen mit dem THW Kiel um die Deutsche Meisterschaft und auch die U19/A-Jugend der SG Flensburg-Handewitt um die Deutsche Meisterschaft. 

 

Sogwirkung des Status der Bundesliga-Mannschaft auf die Akademie verpflichtet

Unabhängig von der organisatorischen und rechtlichen Trennung der Flensburg Akademie GmbH von der SG Flensburg-Handewitt Handball-Bundesliga GmbH & Co. KG (Profi-Mannschaft) profitiert die Akademie von der Profi-Mannschaft ausgehenden Sogwirkung auf junge talentierte Handballer. Insofern besteht seitens der Flensburg Akademie nicht nur gegenüber den jugendlichen Bewohnern, sondern auch gegenüber der SG Flensburg-Handewitt und den Menschen, die sich damit identifizieren und dafür engagieren, eine besondere Verpflichtung. Wir sind uns der daraus resultierenden hohen Verantwortung bewusst.

Die Vorfälle in der Akademie haben wir sorgfältig aufgearbeitet, wie sich aus dem Folgenden ergibt: 

 

Vorfall vom 17.03.2016

Am 17.03.2016 kam es am späten Abend zu dem in den Medien beschriebenen Vorfall in der Akademie. Wir wurden von den Eltern des betroffenen Jugendlichen, Ole, noch am gleichen Abend telefonisch und per Email darüber informiert. Das von den Eltern mitgeteilte Ritual war uns bis dahin nicht bekannt.

Wir sind sofort in intensiven Kontakt zu den Eltern von Ole getreten und haben sie in die Flensburg Akademie eingeladen. Dort sprachen wir u.a. mit ihnen ab, welche Maßnahmen aufgrund des Vorfalles ergriffen werden sollen. Dabei wurde insbesondere abgewogen, wie die Interessen von Ole am besten berücksichtigt werden können, um ihn möglichst wenig durch die Aufarbeitung zu belasten. Mit seinen Eltern wurde auch darüber gesprochen, wie im Hinblick auf die übrigen Akademiebewohner mit dem Vorfall umgegangen werden soll. Uns war besonders wichtig, dass diese Maßnahmen die Zustimmung von Oles Eltern finden, da sie im Rahmen der Gespräche ihr Interesse bekundeten, dass Ole weiterhin in der Flensburg Akademie verbleibt. Das so gemeinsam beschlossene Maßnahmenpaket wurde dann auch umgesetzt. Die Eltern der Bewohner wurden durch einen Elternbrief informiert. Nach diesen Maßnahmen haben Ole und seinen Eltern keine weiteren Wünsche zur Aufarbeitung des Vorfalls an uns herangetragen. Ole und seine Eltern entschieden sich zum Verbleib von Ole in der Akademie.

 

Kündigung Akademievertrag 9 Monate später

Im Dezember 2016 kündigten die Eltern von Ole zu unserer Überraschung den Akademievertrag fristlos. Die Kündigung war aus unserer Sicht so viele Monate nach dem Vorfall vom März nicht berechtigt. Wir boten aber an, uns um eine anderweitige Vermietung zu bemühen, um die Familie dadurch zu entlasten. Die Familie schaltete einen Rechtsanwalt ein. Dieser schrieb uns u.a., seine Mandanten hätten „bisher vermieden, Informationen an die Öffentlichkeit weiterzugeben“. Dies haben wir als Androhung verstanden, man werde an die Öffentlichkeit gehen. Deshalb stellten wir unser Angebot, auf Weiterverfolgung unserer berechtigten Forderungen zu verzichten, unter die Bedingung, dass das Thema erledigt sei und die Familie sich mit negativen Äußerungen über uns zurückhalte. 

 

Aufarbeitung des Vorfalls durch die Flensburg Akademie

Wir haben eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen, um den Vorfall aufzuarbeiten und um einen derartigen Fall für die Zukunft zu verhindern.Dabei haben wir großen Wert darauf gelegt, die Persönlichkeitsentwicklung und die Wertevermittlung in den Vordergrund zu rücken:      

 

-  Die Prävention vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt wurde in das Betreuungskonzept eingearbeitet. Diese orientiert sich an den Richtlinien der Deutschen Sportjugend/DOSB). Die Thematik wird dabei regelmäßig als Tagesordnungspunkt in den wöchentlichen Dienstbesprechungen aufgegriffen.

-  Seit dem Vorfall im März 2016 finden regelmäßige Entwicklungsgespräche im Abstand von 3 bis 6 Monaten individuell mit allen Spielern aus dem Nachwuchsbereich statt. Darin geht es neben der sportlichen athletischen Entwicklung auch um die mentale und soziale Entwicklung sowie um den schulischen und beruflichen Werdegang.

-  Wir haben die Betreuungssituation für die Jugendlichen verbessert, indem wir kleinere Gruppen mit Paten gebildet haben. Die Paten kommen aus dem Betreuungsbereich unserer Akademie. So ist eine deutlich engere Anbindung an die Aufsichtspersonen sichergestellt.

-  Es werden laufend Gespräche mit Eltern und Spielern geführt.

-  Wir haben mit einer Erziehungswissenschaftlerin mit einem Bachelor in Erziehungswissenschaften und einem Master in Sportpsychologie ab Sommer 2016 umfassende Gespräche geführt, die zu einer Einstellung in den Akademiebetrieb ab dem 01.02.2017 führten. 

-  Das Scoutingverfahren zur Aufnahme neuer Bewohner wurde erheblich vertieft und verlängert. Die potentiellen neuen Bewohner suchen nun häufiger bereits im Vorfeld die Akademie auf. Dadurch wird dem gegenseitigen Kennenlernen mehr Raum gegeben.

-  Es gibt wöchentliche Besprechungen zwischen den Betreuern über die individuelle Situation der Bewohner. Dabei werden Absprachen zur Unterstützung getroffen, man tauscht sich aus über den Eindruck, die Entwicklung und den Gesundheitszustand der Bewohner.

-  Es wurde eine interne Erarbeitung eines gemeinsamen Wertekanons unter den Mitarbeitern initiiert. Dieser ist fortan auch das moralische Leitbild des Miteinanders in den Mannschaften. Hierzu wurden mehrere Workshops und Trainingslager durchgeführt. Auch das erweiterte Umfeld mit den Eltern wurde hierüber informiert im Rahmen eines Elternabends vom 17.09.2017. Leitlinien sind dabei Respekt – Offenheit – Leidenschaft – Loyalität – Fleiß.

-  Es wurde ein wöchentliches Life Skills Training im ersten Jahr für Akademiebewohner eingeführt zur Unterstützung der ersten Phase nach dem Umzug in die Akademie. Dies wird seit dem Schuljahr 2017/2018 praktiziert.

-  Am 30.08.2017 wurde ein Aktionstag mit der nationalen Antidopingagentur (NADA) zur Prävention mit Nachwuchsmannschaften der SG Flensburg-Handewitt durchgeführt.

-  Seit dem 01.05.2018 wird eine weitere Mitarbeiterin beschäftigt, die dafür zuständig ist, die Koordination von Schule und medizinischer Versorgung der Bewohner und Nachwuchsspieler zu gewährleisten.     

Keine weiteren Vorfälle seit 2016

Seit dem Vorfall im Jahre 2016 sind uns keine weiteren Vorfälle bekannt geworden. Das hat sich anhand der regelmäßigen Gespräche aber auch aufgrund direkter Befragungen der Bewohner ergeben. Die in Medienberichten geäußerten anderslautenden Vermutungen unter Bezugnahme auf Gerüchte entbehren daher der Grundlage und werden von uns zurückgewiesen.

 

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft Flensburg hat aufgrund der Berichterstattung in den Medien durch den Spiegel und den NDR Ermittlungen aufgenommen. Sie richten sich nach unserem Kenntnisstand gegen unbekannt.

 

Folgerungen

Wir sind der Auffassung, dass sich die Aufarbeitung durch uns als Flensburg Akademie GmbH als wirksam erwiesen hat. Dennoch lehren uns die Vorfälle, dass wir unser Handeln und die Abläufe in der Akademie und die im Rahmen der Betreuung von Jugendlichen zu vermittelnden Wertvorstellungen künftig noch systematischer hinterfragen müssen – ggfs. auch mit Hilfe von externen Beratern. 

Die Vorfälle und insbesondere die Folgen für Ole bedauern wir sehr. Wir hoffen, dass Ole die Erlebnisse inzwischen verarbeitet hat und wünschen ihm alles Gute.

 

Flensburg Akademie GmbH

Lewe T. Volquardsen

Geschäftsführer

 

Ansprechpartner PR/Öffentlichkeitsarbeit

Jana Lucks

presse@(*** please remove ***)flensburg-akademie.de

 

 

 

Seit 2016 kein Vorfall mehr

PRESSEMITTEILUNG [13.Mai'19]

Aufnahmerituale sind grundsätzlich zu verurteilen, sobald sie ethische und moralische Grundsätze verletzen, egal wo und in welchen Zusammenhang sie stattfinden.  Wir als SG Flensburg-Handewitt verurteilen solche Rituale aufs Schärfste. 

Bereits 2016 bekannt geworden
Immer wieder stehen Aufnahmerituale in verschiedenen Gruppen unserer Gesellschaft in der Kritik. Oftmals schmerzhaft und unter psychologischem Druck werden Initiationsriten ausgeführt, in denen Gruppenmitglieder durch den maximalen Kontrollverlust ihre Zugehörigkeit zur Gruppe demonstrieren. Im Jahre 2016 wurde die SG Flensburg-Handewitt über einen Vorfall im Rahmen einer Art Eingangsritual in der Flensburg Akademie informiert, bei dem sich Internatsbewohner mit einer Zange traktiert haben. Direkt nach Bekanntwerden dieses Rituals hat Lewe T. Volquardsen, Leiter der Flensburg Akademie, den sofortigen Austausch mit den Eltern des Betroffenen und der Internatsbewohner gesucht und den Fall umgehend aufgeklärt und entsprechend aufgearbeitet. Dieses auch in Zusammenarbeit mit Fachkompetenz und professioneller Unterstützung. In einer Vielzahl an intensiven Gesprächen mit den betroffenen Jugendlichen und Eltern selbst, wurden zielgerichtet Maßnahmen ergriffen, um künftige Fälle dieser Art auch in Zukunft zu vermeiden. Bisher sind keine weiteren Vorfälle in der Flensburg Akademie bekannt.  

Die richtigen Maßnahmen ergriffen
Unabhängig von diesem konkreten Vorfall hat die Flensburg Akademie eine Vielzahl von Maßnahmen in die Wege geleitet, um derartige Fälle zukünftig zu vermeiden und hat großen Wert darauf gelegt, die Persönlichkeitsentwicklung und die Wertevermittlung in den Vordergrund zu rücken. Die Prävention von körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt wurde in das Betreuungskonzept eingearbeitet. Dieses orientiert sich an den Richtlinien der Deutschen Sportjugend/DOSB). Die Thematik wird dabei regelmäßig als Tagesordnung in den wöchentlichen Dienstbesprechungen aufgegriffen. 
Außerdem finden regelmäßige Entwicklungsgespräche im Abstand von drei bis sechs Monaten individuell mit allen Spielern aus dem Nachwuchsbereich statt. Die Betreuungssituation für die Jugendlichen wurde verbessert, in dem kleinere Gruppen mit Paten gebildet wurden. Die Paten kommen aus dem Betreuungsbereich unserer Akademie. So ist eine deutlich engere Anbindung an die Aufsichtspersonen sichergestellt. 
Seit dem Sommer 2016 ist außerdem eine Sportpsychologin in der Akademie angestellt, die regelmäßige Einzel- und Gruppengespräche mit Spielern durchführt sowie eine Mitarbeiterin, welche die Koordination von Schule und medizinischer Versorgung der Internats- und Nachwuchsspieler gewährleistet.
Zudem wurde eine interne Erarbeitung von gemeinsamen Werten unter den Mitarbeitern initiiert. Dieser ist fortan auch das moralische Leitbild des Miteinanders in den Mannschaften. Leitlinien sind dabei Respekt – Offenheit – Leidenschaft – Loyalität – Fleiß. 
 

"Ich verurteile solche Rituale aufs Schärfste"
Diesen Maßnahmenkatalog stärkt auch SG Geschäftsführer Dierk Schmäschke, der zu diesem Thema eine klare Stellung bezieht und auf die fachliche Expertise der Flensburg Akademie vertraut. "Ich verurteile solche Rituale aufs Schärfste, ganz besonders natürlich, wenn jemand Schaden nimmt. Leider scheint es so zu sein, dass sich derartige Praktiken immer wieder in vielen gesellschaftlichen Bereichen im Verborgenen entwickeln und so den Betroffenen Leid zugefügt wird. Wir hören von solchen Vorfällen ja in den Medien in regelmäßigen Abständen, sei es in Schulen, Jugendgruppen aller Art, im studentischen Umfeld, in Betrieben, bei der Bundeswehr oder eben leider auch im Sport, obwohl gerade hier Fairness  und guter sozialer Umgang miteinander eine tragende Säule darstellt. Ich bedaure es sehr, dass diese Vorfälle in unserer Gesellschaft offenbar immer wieder vorkommen. Wir alle sind aufgerufen, immer aufmerksam zu sein und solch einem Verhalten konsequent entgegenzutreten. Der Vorfall liegt mittlerweile drei Jahre zurück. Wir haben eine sehr kompetente Leitung der Akademie, die sehr verantwortungsvoll mit dieser Problematik umgegangen ist." 

"Öffentliche Sensibilisierung"
Lewe T. Volquardsen, Geschäftsführer der Flensburg Akademie und Gymnasiallehrer, betont insbesondere die gesellschaftliche Relevanz dieser Thematik: "Seit Bekanntwerden dieses Vorfalls von vor drei Jahren gehen wir vollumfänglich transparent mit dieser Thematik um. Eine Sensibilisierung in der Öffentlichkeit dieser Aufnahmerituale, halte ich für unabdingbar. Für uns war dabei von Beginn an wichtig, dass wir die richtigen Schlüsse daraus ziehen und entsprechende Maßnahmen ergreifen, um auch in Zukunft solche Fälle zu vermeiden. Wir haben uns ausführlich an der Aufarbeitung dieses Vorfalls in der Öffentlichkeit beteiligt und waren und sind zu jedem Zeitpunkt bereit, auch öffentlich dazu Stellung zu beziehen. Seit dem Vorfall im Jahre 2016 sind keine weiteren Vorfälle bekannt geworden. Wir sind daher der Auffassung, dass sich die Aufarbeitung als wirksam erwiesen hat. Die Vorfälle der Vergangenheit bedauern wir sehr, betrachten sie aber als intensiv aufgearbeitet. Wir sehen uns dabei mit einem Phänomen konfrontiert, dass offenbar immer wieder in verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen auftritt. Wir glauben, durch unsere Maßnahmen für die Zukunft gut aufgestellt zu sein."